boiler house
13.09.–30.05.2027
13.09.–30.05.2027
Kesselhaus, KINDL · Im Rahmen der Berlin Art Week 2026 Boiler House, KINDL · Part of Berlin Art Week 2026
Klarinette & elektronische Musik · Eintritt frei Clarinet & electronic music · Free admission
@severinblackCello & elektronische Musik · Eintritt frei Cello & electronic music · Free admission
@abi.asisaWeitere Veranstaltungen sind für das Frühjahr 2027 geplant. Änderungen vorbehalten. Further events are planned for spring 2027. Subject to change.




Aufbau Setup
Kesselhaus, KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst · Kuratorin: Kathrin Becker
boiler house (2026) · Ortsspezifische Installation · Fünf rotierende Spiegelelemente à 96 × 160 cm, programmierter Scheinwerfer, QR-Code / Webapp
Seit den späten 1970er Jahren entwickelt der Konzeptkünstler Mischa Kuball Arbeiten für den öffentlichen und institutionellen Raum. Licht ist dabei ein zentrales Medium seiner künstlerischen Praxis. Seine Arbeiten reagieren unmittelbar auf die spezifischen Bedingungen eines Ortes und eröffnen Perspektiven auf dessen Geschichte, Gegenwart und gesellschaftliche Bedeutung. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf die Beziehung zwischen öffentlichen Orten und ihren Gemeinschaften und nutzen Licht und Performance, um architektonische Interventionen zu inszenieren und zu hinterfragen, wie wir Räume wahrnehmen und erinnern.
Für seine ortsspezifische Installation im Kesselhaus wird die Leere des Raums zum Ausgangspunkt der Arbeit. Die historischen Maschinen, die hier einst standen, sind bereits seit Jahrzehnten verschwunden. Geblieben ist die monumentale Architektur des Kesselhauses der ehemaligen Kindl-Brauerei mit seinen hohen Wänden, den markanten Fensterbändern und den Spuren seiner industriellen Vergangenheit. In den 20 x 20 x 20 Meter großen Raum setzt Kuball in konzeptioneller Strenge nur wenige Elemente: ein System aus fünf rotierenden Spiegeln, eine Lichtquelle und einen QR-Code. An die Stelle der historischen Industrieanlage zur Wärmeerzeugung treten im boiler house „Maschinen“ der Wahrnehmung.
Die fünf Spiegel sind den Fensterbändern gegenübergestellt und treten mit dieser architektonischen Membran zum Außenraum in visuelle Korrespondenz. Sie drehen sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und erfassen dabei den Raum, das einfallende Tageslicht und ihre Umgebung. Langsame Bewegungen lassen den Raum gedehnt und beinahe entgrenzt erscheinen, während schnellere Rotation ihn in flüchtige Fragmente zerlegt. Mit der Bewegung der Spiegel verändern sich auch Wahrnehmung und Perspektive: Der Raum und seine historischen Spuren erscheinen aus immer neuen Blickwinkeln, werden fragmentiert, verschoben und neu zusammengesetzt. Mit minimalen Mitteln verändert die Arbeit die Anmutung eines maximal dimensionierten Raums. Das ehemalige Kesselhaus wird zu einem Raum, dessen Geschichte und architektonische Gegenwart sich aus unterschiedlichen Perspektiven immer wieder neu erschließt.
Dabei wird auch das wechselnde Tageslicht zum Bestandteil der Arbeit. Je nach Tageszeit und Intensität der Sonneneinstrahlung verändern sich die Reflexionen und damit auch, was sichtbar wird und was im Schatten bleibt.
Nachts verändert sich die Arbeit grundlegend. Die starke Lichtquelle im Inneren wird nun zum Ausgangspunkt einer Lichtprojektion. Zwei Einstellungen wechseln dabei minütlich. In der ersten trifft das Licht auf die rotierenden Spiegel. Was im Inneren als fragmentierte Montage aus Licht und Reflexion erscheint, wird durch die Fensterbänder nach außen übertragen und dort als bewegtes Lichtspiel sichtbar. In der zweiten Einstellung strahlt die Lichtquelle direkt durch die Fensterbänder nach draußen und erzeugt eine statische Lichtfigur, die sich nach innen und außen spiegelt. Die Fenster werden dabei selbst zum Gegenstand der Arbeit: Sie markieren die Grenze zwischen Innen und Außen und eröffnen zugleich einen visuellen Austausch zwischen Institution und Nachbarschaft. Dieser Modus ist von Sonnenuntergang bis Tagesanbruch aktiv.
Die Geschichte des Ortes wird außerdem durch den QR-Code auf dem Boden Teil der Installation. Dieser führt zu einer Seite, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Geschichte des Geländes der ehemaligen Kindl-Brauerei beschäftigt. Die Geschichte wird dabei nicht als abgeschlossene Erzählung präsentiert, sondern als vielstimmiges Geflecht, das sich über verschiedene Zeiten und Perspektiven hinweg entfaltet.
Kesselhaus, KINDL – Centre for Contemporary Art · Curator: Kathrin Becker
boiler house (2026) · Site-specific installation · Five rotating mirror elements, 96 × 160 cm each, programmed spotlight, QR code / web app
Since the late 1970s, conceptual artist Mischa Kuball has developed works for public and institutional space. Light is a central medium in his artistic practice. His works respond directly to the specific conditions of a place, opening up perspectives on its history, its present, and its social significance. They draw attention to the relationship between public places and their communities, using light and performance to stage architectural interventions and question how we perceive and remember space.
For his site-specific installation in the Kesselhaus, the emptiness of the space becomes the starting point of the work. The historical machinery that once stood here disappeared decades ago. What remains is the monumental architecture of the Kesselhaus of the former Kindl Brewery, with its high walls, its striking rows of tall windows, and the traces of its industrial past. With conceptual rigour, Kuball introduces only a few elements into this 20 × 20 × 20 metre space: a system of 5 rotating mirrors, a light source, and a QR code. In boiler house, “machines” of perception take the place of the historical industrial equipment once used to generate heat.
The five mirrors are positioned opposite the rows of tall windows, entering into visual dialogue with this architectural membrane to the outside world. They rotate at different speeds, capturing the space, the incoming daylight, and their surroundings. Slow movements make the space appear stretched and almost boundless, while faster rotation breaks it down into fleeting fragments. As the mirrors move, perception and perspective shift with them: the space and its historical traces appear from ever-new viewpoints, fragmented, displaced, and reassembled. With minimal means, the work transforms the feel of this vast space. The former Kesselhaus becomes a space whose history and architectural presence are continually revealed anew, from ever-changing perspectives.
Here, the changing daylight also becomes part of the work. Depending on the time of day and the intensity of the sunlight, the reflections shift, and with them what becomes visible and what remains in shadow.
At night, the work changes fundamentally. The strong light source inside now becomes the starting point for a light projection. Two settings alternate every minute. In the first, the light hits the rotating mirrors. What appears inside as a fragmented montage of light and reflection is transmitted outward through the rows of tall windows, becoming visible there as a moving play of light. In the second setting, the light source shines directly out through the windows, creating a static light figure that is mirrored both inward and outward. The windows themselves become the subject of the work: they mark the boundary between inside and outside while opening up a visual exchange between the institution and the neighbourhood. This mode is active from sunset to daybreak.
The history of the site also becomes part of the installation through the QR code on the floor. This leads to a page that engages with the history of the former Kindl Brewery site from multiple perspectives. History is presented here not as a closed narrative but as a multivocal weave that unfolds across different times and perspectives.
Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 und der fortschreitenden Industrialisierung setzt in der neuen Hauptstadt Berlin ein Bevölkerungsboom ein — die Einwohnerzahl wächst innerhalb von drei Jahrzehnten auf über zwei Millionen. Am 1. Februar 1872 gründet eine Gruppe von Gastwirten an der Hermannstraße Ecke Rollbergstraße in Rixdorf die Vereinsbrauerei Berliner Gastwirte zu Berlin AG. In den historisierenden Backsteinbauten entsteht eine der ersten norddeutschen Produktionsstätten für Bier nach Pilsener Art — untergärige Biere, die während Produktion, Reifung und Lagerung durchgehend Kühlung benötigen. Die moderne Kältetechnik steckt damals noch in den Anfängen, doch die Bemühungen von Brauereidirektor Hugo Ziegra sind erfolgreich. Ab 1890 wird zusätzlich ein Bier nach Münchener Art gebraut, das in Berlin so beliebt wird, dass jährlich mehr als 200.000 Hektoliter entstehen.
In Anlehnung an die Münchener Wappenfigur erhält das Bier den Namen Berliner Kindl. Die Bildmarke — der sogenannte Goldjunge im Bierkrug — entwirft der Schöneberger Künstler Georg Räder 1907 im Rahmen eines Wettbewerbs und wird rasch zum werbewirksamen Markenzeichen der Brauerei, die 1910 konsequenterweise in Berliner Kindl Brauerei-Aktiengesellschaft umbenannt wird. Zum Gelände gehört ein Ausschankgarten für 10.000 Gäste; die Wandmalereien der denkmalgeschützten Kindl-Festsäle im ehemaligen Schankgebäude an der Hermannstraße 218 zeugen bis heute von dieser einst stadtweit bekannten Bierschwemme. Nach 133 Jahren schließt die Traditionsbrauerei ihren Neuköllner Standort 2006. Seit 2009 wird vor Ort wieder gebraut: Die Privatbrauerei am Rollberg von Wilko Bereit und Nils Heins produziert Craft-Beer, das im Biergarten Babette's Garden und im Café Babette im Sudhaus ausgeschenkt wird.
Neukölln — wie Rixdorf inzwischen heißt — wird Teil von Groß-Berlin, das nun fast vier Millionen Einwohner*innen zählt; Berlin wird zur bedeutenden Metropole, vergleichbar mit Paris, London und New York. In der Weimarer Republik boomt das Brauereiwesen, und auch während der Weltwirtschaftskrise sorgt erhöhter Alkoholkonsum dafür, dass die Kindl-Brauerei expandieren kann. Ab 1927 entsteht auf dem Gelände der Vereinsbrauerei die hochmoderne Kindl-Brauerei nach Plänen von Regierungsbaumeister Hans Claus und Architekt Richard Schepke — ein Bau aus dunkelrotem Bockhorner Klinker im Stil des Expressionismus, geprägt von der klaren Trennung vertikaler und horizontaler Gebäudeteile und hoher Funktionalität. Wahrzeichen ist der fast 38 Meter hohe, schlanke Turm für Wasserreservoir, Malzsilo und Schrotmühle, dessen Spitzbogenöffnungen an Sakralbauten erinnern.
Zentraler Repräsentationsort der Brauerei ist das Sudhaus mit seinen sechs riesigen Kupferkesseln — den größten Sudpfannen Europas. Die aufwendige Innengestaltung sollte auch wirtschaftliche Stärke demonstrieren: Der mehrfarbige, geometrisch gestaltete Glasmosaikboden geht auf Entwürfe des Mosaizisten Heinrich Jungebloedt zurück, ausgeführt von den Rixdorfer Werkstätten Puhl & Wagner; die Fenster mit Bronzerahmen und punktuell buntem Kameoglas kombinieren sich mit Wänden aus graublauem Marmor. Das Sudhaus steht heute unter Denkmalschutz.
Nach der Zerschlagung der unabhängigen Gewerkschaften wird 1933 die Deutsche Arbeitsfront (DAF) gegründet, ein Einheitsverband von Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen und bald größter NS-Massenverband. Ab 1936 lobt die DAF den „Leistungskampf der deutschen Betriebe" aus; die dabei verliehene Auszeichnung „Nationalsozialistischer Musterbetrieb" wird jeweils am 1. Mai vergeben, der im Nationalsozialismus zum „Tag der nationalen Arbeit" umbenannt wurde. Die Kindl-Brauerei bewirbt sich und führt die Auszeichnung ab 1937.
Die Nähe der Brauerei zum Regime zeigt sich früh: Bereits 1933 stellt die Kindl AG ihren Produktionsstandort in Oranienburg den Nationalsozialisten zur Verfügung, die dort im selben Jahr das erste Konzentrationslager errichten. Dass sich das KZ auf Brauereigelände befindet, ist damals allgemein bekannt — belegt auch durch den Bericht des inhaftierten SPD-Mitglieds Erich Cohn: Er schildert, wie er in der Nacht vom 1. auf den 2. August 1933 kurz nach Mitternacht von SA-Leuten aus dem Bett geholt und in das Lager auf dem Brauereigelände verschleppt wurde, gemeinsam mit dem Lehrer und Kantor Walter Jacob, einem engen Freund der Familie — beide mussten sich unter Scheinwerferlicht an der Fabrikmauer aufstellen.
Ab 1940 zielt die Auszeichnung auf die Umstellung der Betriebe auf Rüstungsproduktion; die Kindl-Brauerei braut jedoch weiter Bier. Bei alliierten Luftangriffen wird der Neuköllner Standort 1944 stark beschädigt. Bis kurz vor Kriegsende hält die Brauerei die Produktion mithilfe von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter*innen aufrecht.
Durch Luftangriffe stark beschädigt, werden Teile der technischen Anlage im Rahmen von Reparationszahlungen demontiert, nach Moskau gebracht und dort in einer neuen Brauerei verbaut. Die Neuköllner Anlage wird zunächst notdürftig instand gesetzt, sodass ab 1947 auf dem Rollberg wieder gebraut wird — die ersten 200 Liter zur Wiedereröffnung stammen allerdings noch von der Bürgerbräu-Brauerei. Da die deutsche Teilung der Kindl-Brauerei die Produktionsstätten im Osten Berlins entzieht, widmet sich das Unternehmen mithilfe amerikanischer Subventionen dem Wiederaufbau: Die Außenfront des Gesamtkomplexes bleibt erhalten, die Fassade des Gärkellergebäudes wird nach Osten erweitert, die Produktionsanlage in mehreren Bauabschnitten technisch modernisiert.
Die Innenarchitektur des Sudhauses wird beim Wiederaufbau neu gestaltet: „Kinoarchitekt" Gerhard Fritsche — der in Berlin unter anderem das Kino Zoo Palast entwirft — verwendet Kupfer, Messing, Weißmetall, fränkischen Jura-Kalkstein und elfenbeinfarbene Detopak-Glaskeramikfliesen für die Wände. Die Architekturzeitschrift Bauwelt widmet der instand gesetzten Brauerei 1953 eine ganze Ausgabe, das umgebaute Sudhaus ziert das Titelblatt. Heute beherbergt das Sudhaus das Café Babette; hier wie im Biergarten Babette's Garden organisiert Künstlerkurator und Gastronom Maik Schierloh Konzerte, Performances und Buchpräsentationen.
Für den Bezirk ist die Schließung der Neuköllner Produktionsstätte 2006 ein herber Verlust: 160 Arbeitsplätze im strukturschwachen Neukölln fallen weg, ein identitätsstiftender Ort verschwindet, eine Brachfläche entsteht. Typisch für das Berlin jener Zeit entdecken schon bald Kunst- und Clubkultur das beeindruckende Gebäude zur Zwischennutzung. 2011 erwerben Salome Grisard und Burkhard Varnholt den Gebäudekomplex und konzipieren gemeinsam mit Gründungsdirektor Andreas Fiedler das KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst als unabhängig kuratierte Kunsthalle. Voraussetzung ist eine behutsame Instandsetzung des denkmalgeschützten Gebäudes: Architektin Salome Grisard entwickelt an der ostseitigen Brandwand ein offenes Erschließungssystem aus verglastem Foyer und außen verlaufendem Treppenhaus aus Sichtbeton mit punktgehaltener Verglasung. Zentral sind zudem der Umbau von Maschinenhaus und Kesselhaus zu Ausstellungsflächen mit Shedoberlichtern sowie ein Biergarten, eingefasst von skulptural geformten Sichtbetonquadern. Seit 2014 — bereits während der Bauzeit — finden im KINDL regelmäßig Ausstellungen und Diskussionen zur zeitgenössischen Kunst statt.
2020 übernimmt Kathrin Becker die künstlerische Leitung; im Fokus ihrer Arbeit steht das Zusammenspiel von gesellschaftlichen Fragestellungen und Kunst — sie entwickelt das KINDL als kommunikativen Raum für einen kritischen Blick auf die Phänomene einer globalisierten Gegenwart. Auf dem umgebenden Areal siedeln sich parallel gesellschaftlich engagierte Initiativen an: entwicklungspolitische und migrantisch-diasporische NGOs, ein Gemeinschaftsgarten sowie der älteste queere Club Deutschlands.
With the founding of the German Empire in 1871 and advancing industrialisation, the new capital Berlin experiences a population boom — its population grows to over two million within three decades. On 1 February 1872, a group of innkeepers at the corner of Hermannstraße and Rollbergstraße in Rixdorf found the Vereinsbrauerei Berliner Gastwirte zu Berlin AG. In historicist brick buildings, one of northern Germany's first production sites for Pilsner-style beer is built — a bottom-fermented style that needs continuous cooling during production, maturation and storage. Modern refrigeration technology is still in its infancy, but brewery director Hugo Ziegra's efforts succeed. From 1890 a Munich-style beer is also brewed, becoming so popular in Berlin that annual output exceeds 200,000 hectolitres.
Named after Munich's heraldic figure, the beer is called Berliner Kindl. Its emblem — the so-called golden boy with a beer mug — is designed in 1907 by Schöneberg artist Georg Räder through a competition, and quickly becomes the brewery's effective trademark; the company is renamed Berliner Kindl Brauerei-Aktiengesellschaft in 1910 accordingly. The grounds include a beer garden for 10,000 guests; wall paintings in the listed Kindl-Festsäle at Hermannstraße 218 still testify to this once city-wide famous beer culture. After 133 years, the traditional brewery closes its Neukölln site in 2006. Since 2009 beer has again been brewed on site: the Privatbrauerei am Rollberg, run by Wilko Bereit and Nils Heins, produces craft beer served in the beer garden Babette's Garden and Café Babette in the Sudhaus.
Neukölln — as Rixdorf is now called — becomes part of Greater Berlin, now numbering almost four million residents; Berlin becomes a major metropolis comparable to Paris, London and New York. Brewing booms during the Weimar Republic, and even during the Great Depression rising alcohol consumption allows Kindl-Brauerei to expand. From 1927, the highly modern Kindl-Brauerei is built on the Vereinsbrauerei site to designs by government master builder Hans Claus and architect Richard Schepke — a dark red Bockhorn-brick building in the Expressionist style, defined by a clear separation of vertical and horizontal elements and high functionality. Its landmark is the almost 38-metre-tall, slender tower for water reservoir, malt silo and grist mill, its pointed-arch openings recalling sacred architecture.
The brewery's central showpiece is the Sudhaus with its six enormous copper kettles — the largest brew kettles in Europe at the time. The elaborate interior was also meant to demonstrate economic strength: the multicoloured, geometrically patterned glass-mosaic floor was designed by mosaicist Heinrich Jungebloedt and executed by the Rixdorf workshops Puhl & Wagner; bronze-framed windows with cameo-glass accents combine with grey-blue marble walls. The Sudhaus is a listed heritage building today.
After independent trade unions are dissolved, the Deutsche Arbeitsfront (DAF) is founded in 1933, a unified body of employees and employers that soon becomes the largest Nazi mass organisation. From 1936 the DAF runs a "performance contest of German enterprises"; the resulting "National Socialist Model Enterprise" award is presented each 1 May, renamed under the Nazis as the "Day of National Labour". Kindl-Brauerei applies for and holds this award from 1937.
The brewery's proximity to the regime shows early on: already in 1933, Kindl AG makes its Oranienburg production site available to the Nazis, who establish the first concentration camp there that same year. That the camp was located on brewery grounds was generally known at the time — as is also documented in the account of imprisoned SPD member Erich Cohn: he describes being taken from his bed by SA men shortly after midnight on the night of 1–2 August 1933 and dragged to the camp on the brewery site, together with teacher and choir conductor Walter Jacob, a close family friend — both made to line up under searchlights along the factory wall.
From 1940 the award's aim shifts to converting enterprises to armaments production; Kindl-Brauerei, however, continues brewing beer. Allied air raids badly damage the Neukölln site in 1944. Until almost the war's end, the brewery keeps production running using prisoners of war and forced labourers.
Badly damaged by air raids, parts of the technical plant are dismantled as war reparations, taken to Moscow and rebuilt into a new brewery there. The Neukölln plant is initially patched together through barter deals, so that brewing resumes on the Rollberg site from 1947 — though the first 200 litres served at the reopening still come from the Bürgerbräu brewery. As German division cuts the Kindl-Brauerei off from its production sites in eastern Berlin, the company uses American subsidies to rebuild: the complex's outer façade is retained, the fermentation-cellar building's façade is extended eastward, and the production plant is modernised in several construction phases.
The Sudhaus interior is redesigned during reconstruction: "cinema architect" Gerhard Fritsche — who also designs Berlin's Zoo Palast cinema — uses copper, brass, white metal, Franconian Jura limestone and ivory-coloured Detopak glass-ceramic tiles for the walls. Architecture magazine Bauwelt dedicates an entire 1953 issue to the restored brewery, with the rebuilt Sudhaus on its cover. Today the Sudhaus houses Café Babette; here, as in the beer garden Babette's Garden, artist-curator and restaurateur Maik Schierloh organises concerts, performances and book presentations.
For the district, the 2006 closure of the Neukölln production site is a heavy loss: 160 jobs disappear in structurally weak Neukölln, an identity-defining site vanishes, a vacant lot emerges. True to Berlin at the time, art and club culture soon discover the impressive building for interim use. In 2011, Salome Grisard and Burkhard Varnholt acquire the building complex and, together with founding director Andreas Fiedler, conceive the KINDL – Centre for Contemporary Art as an independently curated Kunsthalle. A precondition is careful restoration of the heritage-protected building: architect Salome Grisard develops an open circulation system on the building's eastern firewall, consisting of a glazed foyer and an exposed-concrete stairwell running along the exterior with point-fixed glazing. Also central to the renovation are the conversion of the Maschinenhaus and Kesselhaus into exhibition spaces with sawtooth skylights, and a beer garden framed by sculpturally shaped exposed-concrete blocks. Since 2014 — even during construction — the KINDL has regularly hosted exhibitions and discussions on contemporary art.
In 2020 Kathrin Becker takes over as artistic director; her work focuses on the interplay between social questions and art — she develops the KINDL as a communicative space for a critical view on the phenomena of a globalised present. In the surrounding area, socially engaged initiatives settle in parallel: development-policy and migrant/diasporic NGOs, a community garden, and Germany's oldest queer club.
Die Recherche zur Geschichte des Geländes stützt sich auf das Projekt KINDL signs: Als fortlaufendes Rechercheprojekt bringt es unterschiedliche Akteur*innen zusammen und beleuchtet die wechselvolle Geschichte des ehemaligen Brauereigeländes aus verschiedenen Perspektiven. Mehrsprachige Schilder auf dem Gelände markieren zentrale Ereignisse vom 19. bis ins 21. Jahrhundert und führen per QR-Code zu weiterführenden Hintergrundinformationen. Gestartet wurde das Projekt am Tag des offenen Denkmals, am 11. und 12. September 2021. The research into the site's history draws on the KINDL signs project: an ongoing research initiative that brings together various contributors and examines the changeful history of the former brewery site from different perspectives. Multilingual signs across the site mark key events from the 19th to the 21st century, linking via QR code to further background information. The project launched on Open Monument Day, 11–12 September 2021.
Mehr zu KINDL signs auf kindl-berlin.de → More on KINDL signs at kindl-berlin.de →
Mischa Kuball, * 1959 in Düsseldorf, lebt in Düsseldorf
Mischa Kuball arbeitet seit 1977 im öffentlichen und institutionellen Raum. Nach verschiedenen Lehrtätigkeiten war er von 2007 bis 2026 Professor an der Kunsthochschule für Medien, Köln. Seit August 2026 hat er eine Gastprofessur für „public art / design curating“ an der Bergischen Universität Wuppertal inne. Seit 2015 ist Kuball Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Künste NRW in Düsseldorf. Seine Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Lichtkunst-Preis des Lichtkunstmuseums Celle (2016), dem Kunstpreis NRW (1993) sowie dem ars viva-Preis (1990).
Einzelausstellungen (Auswahl)
Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal (2023); BWA Contemporary Art Gallery, Katowice (2022); Museum der Moderne Salzburg (2019); Jüdisches Museum Berlin (2017); Kirchner Museum Davos (2016); Lehmbruck Museum, Duisburg (2014).
Gruppenausstellungen (Auswahl)
Kunstmuseum Wolfsburg (2022); ZERO foundation, Düsseldorf (2018); Urbane Künste Ruhr, Marl (2017); Neue Nationalgalerie Berlin (1999); São Paulo-Biennale (1998).
Mischa Kuball, b. 1959 in Düsseldorf, lives in Düsseldorf
Mischa Kuball has worked in public and institutional space since 1977. After various teaching positions, he was professor at the Academy of Media Arts Cologne from 2007 to 2026. Since August 2026 he has held a visiting professorship for "public art / design curating" at the University of Wuppertal. Kuball has been a member of the North Rhine-Westphalian Academy of Sciences and Arts, Düsseldorf, since 2015. His work has received numerous awards, including the German Light Art Prize of the Light Art Museum Celle (2016), the NRW Art Prize (1993), and the ars viva Prize (1990).
Solo exhibitions (selection)
Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal (2023); BWA Contemporary Art Gallery, Katowice (2022); Museum der Moderne Salzburg (2019); Jewish Museum Berlin (2017); Kirchner Museum Davos (2016); Lehmbruck Museum, Duisburg (2014).
Group exhibitions (selection)
Kunstmuseum Wolfsburg (2022); ZERO foundation, Düsseldorf (2018); Urbane Künste Ruhr, Marl (2017); Neue Nationalgalerie Berlin (1999); São Paulo Biennial (1998).